ZORN

zorn_web.jpg

ein Tanz-Multimedia-Spektakel des UnterwegsTheaters im Rahmen von ART ORT 007

Choreographie & Regie: Jai Gonzales
Performer/TänzerInnen: Pim Boonprakob, Natasha Frantzi, Benny Bartels, Stavros Apostolatos, Bernhard Fauser
Video: BeeF
Musik: Julia Wolfe, Terry Riley, John Zorn u.a.

Premiere: Mittwoch, 11. Juli, 21.00 Uhr
weitere Vorstellungen: 13.-15./18.-22./25.-29. Juli 2007

Altes Hallenbad – AHa!-MetroPool

Eingang Poststraße, Bergheim/Heidelberg
Eintritt: 10,- / 15,- €

Der Zorn ist eine kurze Raserei. (lateinisches Sprichwort)

Im Internet (wikipedia) ist unter dem Begriff Zorn zu finden:

Der Zorn ist ein elementarer Zustand starker emotionaler Erregung mit unterschiedlich aggressiver Tendenz, der zum Teil mit vegetativen Begleiterscheinungen verknüpft ist. Sein Gegensatz ist die Sanftmut. Einerseits tritt er als heftiger Ärger, wutartiger Affekt als Jähzorn oder Zornesausbruch auf, der zu unkontrollierten Handlungen oder Worten führen kann. Der Zorn erscheint dann als Beherrscher des Menschen, der seinerseits seine Gefühlsregungen nicht mehr kontrolliert.

Andererseits tritt der Zorn als anhaltendes, gerecht erscheinendes Zürnen auf (auch: als „Groll“): Bauernzorn, Bürgerzorn, Volkszorn, Wählerzorn; Götterzorn,Zorn Gottes, heiliger Zorn (siehe auch: Ingrimm). Zorn ist immer gegen eine bestimmte Person oder Gruppe gerichtet, während die Wut nach allen Seiten explodieren kann. In der Illias des Homer ist der manische lang andauernde Zorn des Achill das Leitthema. In der Kirchengeschichte zählt Zorn zu den „SiebenTodsünden“.

In der Kunstgeschichte kommt es zu entsprechenden allegorischen Darstellungen des Zorns.

zorn_webrgb.jpg

Jai Gonzales, widmet ihre neueste Arbeit dem elementaren „Energiezustand Zorn“. Mit den Mitteln des Tanzes, der Bilder und des Spieles mit Raum und Klang erforscht das UnterwegsTheater mit „ZORN“ die Möglichkeiten einer im wahrsten Sinne des Wortes „fleischgewordenen“ interkulturellen Disziplin; Die Sprachen der Körper als verbindende Ausdrucksform einer globalisierten Welt. In der Kunst immer (öfter) vor der Politik „exerziert“…..

Warum Zorn? Lassen wir Dr. Johannes F. Lehmann zu Wort kommen, der das Buch von Peter Sloterdijk „Zorn und Zeit“ zum Anlass genommen hat, das Phänomen zu beschreiben:

„Der Zorn ist in der Antike wesentlich Affekt des Herrschers und des Mächtigen. Und zwar schon deshalb, weil der Affekt des Zorns – laut Aristoteles – nur entsteht, wenn dem Schmerz über die erlittene Beleidigung zugleich die Lust innewohnt, die in der Hoffnung auf Rache liegt. Hat jemand aber keine realistische Aussicht auf Rache, weil er schwach ist oder ein Sklave, so entsteht auch kein Zorn, denn: »Niemand aber strebt nach dem, was ihm unerreichbar erscheint.« Der Schmerz der Ohnmächtigen ist daher ohne Lust der Rachehoffnung und daher auch ohne Zorn.“

Und weitere These von Sloterdijk:

„die Rede vom Zorn Gottes ist nichts als die Projektion der gehemmten Zornimpulse der Menschen auf eine göttliche Instanz, die diese Zorneinlagen zur finalen Auszahlung inflationsgesichert (= Ewigkeit) aufbewahrt. Der Zorn Gottes ist einfach das Ressentiment der Menschen.“

„Dass der Zorn der Verlierer und der Überflüssigen in dieser entfesselten Konkurrenz sich nicht politisch organisiert und bankmäßig stabilisiert, liegt an einer Reihe von strukturierenden Begehrens-Imperativen, dessen wichtigster lautet: ›Schreibe die Misserfolge in der Begehrenskonkurrenz niemand Anderem zu als dir selbst‹. So kann sich der Zorn nicht mehr sammeln, jeder Konsumbürger wird zunehmend »in die vergiftete Einsamkeit einer zum Scheitern verurteilten Begehrensaufreizung fixiert«“

„Weil das Protestpotential nicht mehr auf narrative Strukturierungen in Form eines Kampfes für das Gute gesammelt werden kann, kommt es zu Gewaltformen. Nicht mehr Zorn und Rache im Sinne einer Widerherstellung des Gleichgewichts seien hier das Ziel, sondern es gehe um eine reine »Wut auf das Unbeschädigte«.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.