Rechenzentrum am 15. und 16.06. im Alten Hallenbad HD

Saccade – RECHENZENTRUM BERLIN – Vjing & Djing
Marc Weiser & Lillevan
15. Juni, 21.00 Uhr

und Rechenzentrum zusammen mit Pianist Ueli Wiget, Ensemble Modern,
„Emperor Remixed“, Beethovens 5. Klavierkonzert
16. Juni, 21.00 Uhr

im Rahmen des UnterwegsTheater-Festivals ART ORT 007
2. TanzInstallationMedienFestival
16. Mai – 30. Juli 2007

 

Rechenzentrum wird am Freitag, 15. Juni den temporären Kulturraum des Hedelberger Alten Hallenbads mit Musik und Bild in Szene setzen. Im Damenbad eröffnet das preisgekrönte Berliner Duo Marc Weiser (Musik) und Lillevan (Video, Film) die begehbare Installation „Saccade“ , die sie speziell für das vor 28 Jahren trocken gelegte Jugendstil-Juwel konzipiert haben. Rechenzentrum verteilt die Projektionen an verschiedene Orte, ihre Position wird durch die architektonischen Besonderheiten des beeindruckenden Gewölbe-Raums bestimmt. So entsteht ein  Kino, in dem der Betrachter nie alle bewegten Bilder auf einmal sehen kann, sondern sich den Film aus allen Fragmenten selber erarbeiten muss.


Passend also zum Titelbegriff Saccade, der die Augenbewegung zwischen zwei nacheinander betrachteten Punkten bzw. Bild-Objekten bezeichnet. Die Ausstellung bleibt geöffnet bis zum 1. Juli 2007.

Vjing & Djing der feinen ART bieten Weiser und Lillevan ab 21 Uhr im Herrenbad. 1997, bei einem Gig auf der „documenta“ in Kassel „entstand die Idee, aus einer unüberblickbaren Anzahl von Klang- und Bild-Sources etwas Neues zu kreieren,“ so Marc Weiser, der seitdem für die akkustische Seite des Audio-Videoprojekts Rechenzentrum verantwortlich zeichnet und Lillevan für die visuelle. Rechenzentrum arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Pop und versteht sich als Multikunstprojekt: Durch Analyse der Musik und Visualisierung der Audiosignale werden Bilder in Echtzeit generiert und live manipuliert, neue Aspekte des Verhältnisses von Bild und Ton formuliert.
Elemente wie z.B. Dramatik, Bewegung, Farblichkeit und Gestaltung werden abstrahiert und zu einer dynamischen, filmischen Komposition zusammengefügt. Es entsteht ein ebenso eigenständiger wie eigenwilliger Weg zwischen Klang- und Bilderwelten, ein neues „visuelles Konzert“. Rechenzentrum unternimmt dabei immer wieder aufs Neue eine Suche nach der Essenz der Aufführungssituation an sich. Marc Weiser: ‚Es geht um die Performance, um das Machen.‘ Lillevan: ‚Wir haben eigentlich ganz viele kleine Konzepte. Ein Konzept von mir ist, das zu machen, was mir ja eigentlich fehlt, was ich nicht sehe.‘
Marc Weiser: ‚Wenn es ein musikalisches Konzept gäbe, dann hieße es eigentlich, dem Anspruch gerecht zu werden, möglichst viele Klänge, die normalerweise nicht einer Funktionalität unterliegen, miteinander zu kombinieren.‘ Lillevan: ‚Die Kombination bedeutet eigentlich, dass man versucht, eine verschmelzende Sache daraus zu bilden, dass man also Video als Instrument definiert.‘

Zwei Cds (kitty yo), eine Dvd (Mille Plateaux), 2 Maxisingles (Shitkatapult) und unzählige Singles und Remixe (Kid 606, Iggy Pop, Tarwater, Iannis Xenakis, Phil Nibblock etc.), Auftritte und Kooperationen mit Künstlern aus den verschiedensten Bereichen (improvisierte, neue Musik, Tanz etc.) rund um den Globus sind Beispiel für die vielseitigen Interessen und Anknüpfungspunkte des Rechenzentrums. Tourneen auf Einladung des Goethe-Institutes durch Südamerika, Sibirien, Russland, etc.

Im Alten Hallenbad setzen das UnterwegsTheater und Rechenzentrum die erfolgreiche Zusammenarbeit von „IN TRANSIT“ und „Basso Continuo“ fort.

Einen Tag später, am Samstag, 16. Juni, führt Rechenzentrum zusammen mit Ensemble Modern Pianist Ueli Wiget das 5. Klavierkonzert von Beethoven als „Emperor Remixed“ einmalig in Heidelberg auf. „Emperor Remixed“ ist eine Auftragsarbeit des Duos für das Goetheinstitut in Asien. Heidelberg und das Unterwegstheater-Festival im Alten Hallenbad stellen sich mit dieser Aufführung in eine Reihe mit Beijing, Tokio, Seoul und Berlin – alles Metropolorte, an denen „Emperor Remixed“ vorher für Aufsehen gesorgt hat.
Rechenzentrum schreibt dazu:
„Grundlage für die musikalische Neubearbeitung des 5. Klavierkonzertes von Beethoven ist die Originalpartitur, die vollständig in Midifiles übertragen wurde. Der Pianist wird die Pianoforte-Stimme als Repräsentant der Tonalität und Soloinstrumente par excellence im Original, der Partitur entsprechend spielen. Auf eine Klangmanipulation des Pianoforte haben wir vollständig verzichtet, um die Gegenüberstellung der 2 verschiedenen Welten (klassisches Instrumentarium und computergenerierte Klangerzeugung) hervorzuheben. Die Partitur ist eingeteilt in mehrere präparierte Sinn-Abschnitte, die im Zusammenspiel mit dem Pianisten von Hand am Computer eingestartet werden können, um ein Höchstmass an Flexibilität im Zusammenspiel gewährleisten zu können. Darüber hinaus werden verschiedenste, vorher schon am Computer aufgenommene Instrumentengruppen bei der Aufführung real time über einen Effekt-Prozessor manipuliert, um den dynamischen Verlauf der Aufführung noch einmal zu unterstreichen.

Die Frage, wie dazu auch eine moderne, filmische Ebene für diese Komposition entwickelt werden könnte, stellte eine weitere Herausforderung für das Projekt Emperor Remixed dar. Wir haben hierzu Ideen und Strukturen der historischen „Gattung“ Klavierkonzert, ihrer  Entwicklung und ihrer Aufführungssituationen untersucht. Fragmente aus Spielfilmen und historischen Filmaufnahmen zum Thema „Klavierkonzert“ wurden gesammelt und bearbeitet, so dass ihr narrativer / dokumentarischer Charakter nicht mehr im Vordergrund steht, bzw. gar nicht mehr zu erkennen ist. Die so vorbereiteten Sequenzen werden im Konzertsaal mittels Computer und Mischpult nochmals bearbeitet, ineinander gemischt und in die Aufführung integriert.
Im Piano selbst sind bei der Aufführung Mini-Kameras angebracht, die Live-Bilder übermitteln. Diese werden digital bearbeitet und ebenfalls in die Projektionen integriert. Durch Analyse der Musik und Visualisierung der Audiosignale werden Bilder in Echtzeit generiert und live manipuliert. Elemente wie z.b. Dramatik, Bewegung, Farblichkeit und Gestaltung werden abstrahiert und zu einer dynamischen filmischen Komposition zusammengefügt. Es entsteht ein neues „Visuelles-Klavierkonzert“, das eine Suche nach der Essenz der Aufführungssituation an sich unternimmt.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.